Sonntag, 31. Juli 2016
Alvin und die Chipmunks
Was für eine Woche. Ich hab noch nie im Leben so hart körperlich gearbeitet und war noch nie so kaputt. Vielleicht bin ich verweichlicht, aber ich glaube jeder wäre
bei dieser Arbeit an seine Grenzen gekommen...es ist seit letzten Sonntag unglaublich heiß. Ich wollte eine Radtour
machen, es wurde eine Radtortour draus.Die Straße hinab war ja ganz lustig, aber der Weg zurück war die Hölle, zu steil zum Radfahren... ich habe 2 Stunden und viele Verschnaufpausen im Schatten gebraucht vom Tal zurück zur Shangri-la Ranch. So, zu meinen Glanzleistungen: Holzstammscheiben siehe Bild vom letzten Mal aufs Auto und zu Hause abladen, Unkraut jäten mit dem weed eater, eine Motorsense, recht schwer und extrem stark vibrierend, also das Teil zerhäckselt das Unkraut-richtig angewandt, bei dieser Aufgabe bin ich gescheitert. Unkraut jäten mit Riesenschnippschnapp und händisch ging schon eher...Dachkantel (so was wie ne Dachrinne nur eckig) vom Dreck befreien damit Klaus mit Silikon etwas kitten konnte. Hierbei musste ich auf die Leiter und hab jede Menge Dreck eingeatmet. Dann Laub und Nadeln von gefühlt 3 Jahren zusammenharken und in Tonnen verfrachten. Darunter zig Unkräuter zupfen...besonders junge Triebe von Nussbäumen...die vergesslichen wuscheligen Baumkletterer (Streifen oder Eichhörnchen) vergraben Nüsse als Vorrat, die sie dann nicht mehr finden und daraus entstehen dann Bäume. Blumen und Bäume gießen, das war mal ne schöne Tätigkeit und mein Highlight: Holz spalten. Nicht mit Axt sondern mit Hilfe einer hydraulischen Vorrichtung am Traktor. Man legt das Holzteil auf eine Art Schiene und dann drückt man nen Hebel der wiederum einen Keil zwischen das Holz treibt so dass es sich aufspaltet, ganz langsam ging das und war ganz ...ok. Holz macht mitunter interessante Geräusche wenn es birst/berstet/geborsten ist.(barst?)
Dann die entstandenen Holzscheite stapeln wie man es aus Filmen oder Berghütten kennt. Warum ist das alles so anstrengend? Weil man sich ständig bücken muss und die Arme belastet werden (alle mit Gartenarbeiterfahrung werden jetzt zustimmend nicken) und dazu die Hitze (Arme verbrannt) und irgendwelche Viecher. Warum berichte ich so ausführlich von meinem Martyrium? Weil ansonsten nicht viel passiert ist. Teilweise konnte ich die leichtesten Dinge nicht mehr anheben und meine Hände haben gezittert. Ja, so ist das Farmerleben, hart und unerbittlich. Aber wenigstens sieht man das Ergebnis seiner Bemühung, und es erscheint einem weniger sinnlos als Büroarbeit. Mir geht's zumindest so. Und dann musste ich noch Essen vorbereiten und hinterher aufräumen. Quasi Full time Job hier. Aber es lohnt sich, hab hier noch kein Geld ausgegeben, ha!
Ja, und Klaus ist mit seinen 78 Jahren irgendwie fitter als ich, das beschämt mich...nun ja. Nebenbei erfährt man einiges über das Auswandern und Kulturunterschiede. Ausserdem ist die Gegend hier sehr gefährlich: weniger wegen der Bären als vielmehr wegen der Beschaffungskriminalität. Viele (versuchte) Einbrüche und bei einem Haus an dem wir vorbeikamen hieß es, dort seien die Hausbewohner erschossen worden. Gulp. Donnerstag kam dann auch die Hausherrin aus Vancouver zurück und sorgte dafür,dass ich Freitag Nachmittag frei bekam ;) mal sehn, was mich nächste Woche erwartet. Ich möchte jedenfalls niemals n Häuschen im Grünen haben, das wäre mir der Aufwand nicht wert. Ich weiß, ich bin ein Jammerlappen...Ende nächster Woche geht's weiter, wohin auch immer...wenn ich keine weitere Wwooferstelle an Land ziehen kann werde ich eben erstmal wieder bisl urlauben (ohne zusammenharken) ...
Dieser nette Herr wartet am Eingang der Ranch
Bild der Gegend von unten, Errungenschaft meiner Radtortour