Sonntag, 18. September 2016
East Hastings Street
Spätestens am ersten Tag nach der Ankunft in Vancouver weiß man, dass man diese Straße (bzw die Gegend drumherum-widibum) meiden sollte. Da ich vorgewarnt war, dachte ich mir, na klar, meide ich, dürfte ja nicht so schwer sein...in meiner begrenzten Naivität. ;-)
Was jedoch passiert, ist dass ich ständig auf diese Straße oder in deren Nähe komme, meist unbeabsichtigt. Und man merkt es ganz plötzlich dass das Publikum auf einmal ganz anders ist. Sowas Gruseliges habe ich echt noch nie gesehn. Natürlich ranken sich auch jede menge Mythen um die Straße, wie die von dem Typen der mit seinem Fahrrad von Toronto (!) nach Vancouver fuhr und auf der E Hastings beklaut wurde und seitdem durch die Straßen schleicht auf der Suche nach seinem Bike... Dort befindet sich auch die einzige offizielle Fixerstube ganz Nordamerikas. Spritzen findet man auch ganz oft und einfach nur Verrückte...oder sind sie auf Drogen? Man weiß es nicht. Auf meinen beiden Wohnungsbesichtigungen dieser Woche durchkreuzte ich die Gegend und Freitag Abend fuhr ich sogar absichtlich dorthin, da es auf der Straße einen Club gibt der "Dark 80ies" spielte, da konnte ich nicht widerstehen (fühlte mich auf Hin und Rückweg sehr unwohl)... Ja, das war ein kleiner Exkurs in die raue Welt des Subprekariates (das Wort habe ich grade kreiert). Jedenfalls habe ich ab Oktober ein Zimmer an der Nanaimo Street und es steht ein kleiner Umzug an. Dort will ich dann bis zu meiner Abreise residieren. Dass die Zimmersuche hier totaler Krampf ist, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Genauso wie die Jobsuche, aber auch da gibt es ein paar Lichtblicke. Insgesamt war die Woche wieder sehr durchwachsen, zwischen Hurra und Aaarrg wechselte ich sehr oft. Heute hatte ich den 3. Einsatz auf der Baustelle, immer ne andere... Und wir mussten bei strömenden Regen auf einem Dach Müll beseitigen und kehren. Ich war nass bis auf die Knochen (ein Knochenjob, haha). Am Do und Fr war ich in einer Lagerhalle arbeiten die zu einer Eventausstattungsfirma gehört. Dort werden Utensilien gepackt bzw entpackt die den dekorierenden Hintergrund für diverse Veranstaltungen bilden (bspw. Stühle, Vasen, Blumen, Decken, Buddhastatuen...) Die haben ziemlich viel Schnickschnack aber auch richtig coole Sachen, manche Teile werden extra angefertigt, es gibt einen Schreiner und Designer (huch, das reimt sich sogar)... Auf jeden Fall finde ichs dort angenehm, gutes Arbeitsklima, nette Leute... Nächste Woche darf ich nochmal kommen, ich hoffe sehr dass es was Stabiles wird... Hier gibts zunächst mal n job interview (Vorstellungsgespräch) das recht locker verläuft (vielleicht liegts auch an der Branche, bewerb mich nicht auf Bürojobs) dann probearbeiten (gg Bezahlung) und dann...hm...mal schaun! Aber eigentlich kann ich mit meiner Trefferquote zufrieden sein, da ich nur wenige Bewerbungen verschickt habe. Ja, ansonsten passiert hier nicht viel, ich lebe mein gewöhnliches Leben, fast wie zu Hause, sehr ruhig und zurückgezogen, nur ohne Freizeitstress ;-)
In 2 Wochen steht der erste Besucher auf der Matte (apropos, die Mehrheit der Zimmervermieter verbietet (Übernachtungs-) Gäste...) und dann werde ich mir hoffentlich wieder etwas hier anschauen können... Das spare ich mir nämlich auf. Eine Sache möchte ich nicht unerwähnt lassen: die Sache mit meinem Namen. Keine/r, aber auch wirklich keine/r kann meinen Namen richtig aussprechen... Das war mir im Ausland schon immer ein Graus, in Russland habe ich mich Uljana genannt und hier bin ich auf die Idee gekommen mich einfach ukay zu nennen, meine Initialen. Das funktioniert bisher ganz gut und ich spare mir viel Zeit und Nerven :)


Kanada Souvenirläden...ganz gefährlich!
Kreatives mit Bäumen I
Kreatives mit Bäumen II
Kreatives mit Bäumen III
Im Lager steppt der Bibär
na gut, er sitzt ;-)